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Es geht bergauf.

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Das letzte Modul hat vielleicht den Eindruck vermittelt, Sowjetunion und Weimarer Republik wären beide unfähige und gescheiterte Staaten gewesen. Das zu behaupten wäre unfair. Sowohl in Deutschland als auch in der Sowjetunion fanden in den 1920er-Jahren Entwicklungen und Veränderungen mit rasanter Geschwindigkeit statt. Das Leben der Menschen veränderte sich radikal und an vielen Stellen zum Guten. Was sich da veränderte, das wollen wir uns in diesem Modul ansehen.

3.1 Die 'Goldenen Zwanziger' – kultureller Aufbruch in der Weimarer Republik

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Vom Mythos der 'Goldenen Zwanziger' hast du sicher schon einmal gehört. Neue Kunststile, eine neue Freizeitkultur, die Verbreitung von Kino und Radio, eine veränderte Mode, die Prägung Deutschlands durch kulturelle Einflüsse aus anderen Erdteilen – das alles hat zu diesem Mythos beigetragen. Für mich beginnen wirkliche Freiheit und individuelle Lebensgestaltung erst mit dieser Entwicklung in der Weimarer Zeit. Und ich finde diese wilde und aufregende Zeit sehr sympathisch. Bis heute wirken die kulturellen Aufbrüche der 1920er-Jahre nach. Warum ist das so?

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Warum gab es in der Zeit der Weimarer Republik einen kulturellen Aufbruch? Einer der wichtigsten Gründe ist darin zu sehen, dass es in der Weimarer Republik erstmals eine umfassende 'Freizeitkultur' gegeben hat. Mit der flächendeckenden Einführung der 40-Stunden-Woche und den ersten tariflichen Urlaubsregelungen für Arbeitnehmer hatten die Arbeiter und Angestellten erstmals auch die Zeit, sich neben der Arbeit zu beschäftigen. Das Vereinswesen, die Schrebergartenbewegung, die neuen Massenmedien wie Radio und Film oder auch Sportveranstaltungen und Theateraufführungen erfreuten sich großer Beliebtheit. Und die Künstler erkannten, dass die Zeit für einen neuen Kunstbegriff gekommen war. Es gab nun viele Ansätze zur Entwicklung einer Massenkultur, die andere Themen und Ausdrucksformen hatte.

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Darstellung

Ein Abkommen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sichert den Feierabend

Im November 1918, als in Deutschland noch Revolution herrschte und die Weimarer Republik noch gar nicht gegründet war, setzten sich Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammen und verhandelten über Arbeits- und Urlaubszeiten. Daran war viel überraschend:

  1. Der Staat war nicht anwesend. Im Kaiserreich wären solche Themen gesetzlich geregelt worden. Nun wurde zwischen den direkt betroffenen Parteien verhandelt. Der Staat hielt sich heraus.
  2. Die Arbeitgeber erkannten die Arbeitnehmer als gleichwertige Verhandlungspartner an.
  3. Man einigte sich.

Am 15.11.1918 wurde das Stinnes-Legien-Abkommen unterzeichnet. Es beinhaltete Regeln zu Arbeitszeiten und Arbeiterrechten, die für ganz Deutschland gültig sein sollten. Es war der Beginn der sogenannten 'Tarifautonomie', die in der BRD auch heute noch gilt. Sie besagt, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer untereinander und ohne Einmischung von außen Löhne und Arbeitsbedingungen aushandeln.

Stinnes-Legien-Abkommen: benannt nach dem Industriellen Hugo Stinnes (Vertreter der Arbeitgeber) und dem Gewerkschafter Carl Legien (Vertreter der Arbeitnehmer).

Lukas Epperlein

5

Quelle

Auszüge aus dem Stinnes-Legien Abkommen

Nach jahrelangen Kämpfen ist [...] die nachstehende Vereinbarung zwischen der organisierten Unternehmer- und Arbeiterschaft zustande gekommen, durch die wesentliche Vorbedingungen dafür geschaffen worden sind, um die ungeheuren Schwierigkeiten beim Wiederaufbau unseres durch den Weltkrieg zerstörten Wirtschaftslebens im gegenseitigen Einvernehmen hoffentlich erfolgreich überwinden zu können. [...]

1. Die Gewerkschaften werden alle als berufene Vertretung der Arbeiterschaft anerkannt.

[...]

4. Sämtliche aus dem Heeresdienst zurückkehrenden Arbeitnehmer haben Anspruch darauf, sofort nach Meldung in die Arbeitsstelle wieder einzutreten, die sie vor dem Kriege innehatten. Die beteiligten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände werden dahin wirken, dass durch Beschaffung von Rohstoffen und Arbeitsaufträgen diese Verpflichtung in vollem Umfange durchgeführt werden kann.

[...]

7. Für jeden Betrieb mit einer Arbeiterschaft von mindestens 50 Beschäftigten ist ein Arbeiterausschuss einzusetzen, der diese zu vertreten und in Gemeinschaft mit dem Betriebsunternehmer darüber zu wachen hat, dass die Verhältnisse des Betriebes nach Maßgabe der Kollektivvereinbarung geregelt werden.

[...]

9. Das Höchstmaß der täglichen regelmäßigen Arbeitszeit wird für alle Betriebe auf 8 Stunden festgesetzt. Verdienstschmälerungen aus Anlass dieser Verkürzung der Arbeitszeit dürfen nicht stattfinden.

[...]

13. Diese Vereinbarungen treten am Tage der Unterzeichnung in Kraft und gelten, vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, bis auf weiteres mit einer gegenseitigen dreimonatlichen Kündigung.

Statistisches Reichsamt, Abteilung Arbeiterstatistik (Hg.), Satzung für die Arbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands, Reichs-Arbeitsblatt (XVI. Jahrgang — Nr. 12) 1918, Berlin, S. 874 f.

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Aufgabe – Arbeit und Freizeit

  1. Skizziere die in der Quelle (Element 5) aufgeführten Bestimmungen des Stinnes-Legien-Abkommens in eigenen Worten und erkläre, was sie für die Arbeitnehmer bedeuteten.
  2. „Ohne Freizeit keine Kultur.“
    Erörtere diese Behauptung.
7
Lichtspielhaus Schramberg, Gemälde von Franz Hützschke Museum zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim
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Urheber: Franz Hützschke (1893-1945)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Franz_Hützschke_Lichtspielhaus_Schramberg.jpg?uselang=de

PD

Ein geregelter Feierabend um 17 Uhr – für viele Arbeiter und Angestellte war das eine neue Erfahrung in der Weimarer Republik. Aber was sollte man in der freien Zeit am Abend anfangen? Man konnte zum Beispiel in eines der neuen 'Lichtspielhäuser' gehen und sich einen Film anschauen. Das Gemälde zeigt das 1928 eröffnete Lichtspielhaus in Schramberg (Baden-Württemberg).

Frankfurt am Main, Siedlung Römerstadt: Typisierte Gartenlaube in einem Mustergarten, entworfen für das Projekt Neues Frankfurt (1925–1930). Architektin: Margarete Schütte-Lihotzky.
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Urheber: Christos Vittoratos

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gartenlaube-Neues-Frankfurt.jpg?uselang=de

Cc4BYSA

Und die freie Zeit am Wochenende? Die konnte man im eigenen Schrebergarten verbringen. Diese Gartenlaube in Frankfurt stammt aus den 20er-Jahren.

Berlin, Tanztee im
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 183-K0623-0502-001 / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-K0623-0502-001,_Berlin,_Tanztee_im_"Esplanade".jpg?uselang=de

Cc3BYSA

Oder man ging in ein Gartenlokal zum Tanzen, wie hier im Berliner 'Esplanade'.

8

Quelle

Erich Weinert: Ferientag eines Unpolitischen (1930)

Der Postbeamte Emil Pelle
Hat eine Laubenlandparzelle,
Wo er nach Feierabend gräbt
Und auch die Urlaubszeit verlebt.

Ein Sommerläubchen mit Tapete,
Ein Stallgebäude, Blumenbeete.
Hübsch eingefasst mit frischem Kies,
Sind Pelles Sommerparadies.

Zwar ist das Paradies recht enge
Mit fünfzehn Meter Seitenlänge;
Doch pflanzt er seinen Blumenpott
So würdig wie der liebe Gott.

Im Hintergrund der lausch'gen Laube
Kampieren Huhn, Kanin und Taube
Und liefern hochprozent'gen Mist,
Der für die Beete nutzbar ist.

Frühmorgens schweift er durchs Gelände
Und füttert seine Viehbestände.
Dann polkt er am Gemüsebeet,
Wo er Diverses ausgesät.

Dann hält er auf dem Klappgestühle
Sein Mittagsschläfchen in der Kühle.
Und nachmittags, so gegen drei,
Kommt die Kaninchenzüchterei.

Auf einem Bänkchen unter Eichen,
Die noch nicht ganz darüber reichen,
sitzt er, bis dass die Sonne sinkt,
Wobei er seinen Kaffee trinkt.

Und friedlich in der Abendröte
Beplätschert er die Blumenbeete
Und macht die Hühnerklappe zu.
Dann kommt die Feierabendruh.

Er denkt: Was kann mich noch gefährden!
Hier ist mein Himmel auf der Erden!
Ach, so ein Abend mit Musik,
Da braucht man keine Politik!

Die wirkt nur störend in den Ferien,
Wozu sind denn die Ministerien?
Die sind doch dafür angestellt,
Und noch dazu für unser Geld.

Ein jeder hat sein Glück zu zimmern.
Was soll ich mich um andre kümmern?
Und friedlich wie ein Patriarch
Beginnt Herr Pelle seinen Schnarch.

Erbe und Gegenwart. Eine Auswahl aus der deutschen Literatur, Leipzig, 1959, S. 180 f.

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Aufgabe zum Gedicht

  1. Lies die Quelle oben und markiere drei Tätigkeiten, denen der Postbote Emil Pelle nachgeht.
  2. Emil Pelle hält anscheinend nicht viel von der Politik.
    • Formuliere drei Sätze aus Emils Sicht, die begründen, warum er sich nicht für Politik interessiert.
    • Beziehe dabei dein Vorwissen ein und nutze die Ich-Perspektive.
  3. Welche Gefahr kannst du in der Haltung Pelles, die am Ende des Gedichtes deutlich wird, erkennen?

Massenkonsum und Massenkultur – Die USA geben die Richtung vor

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Josephine Baker in Banana Skirt from the Folies Bergère production
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Urheber: Creator:Walery, Polish-British, 1863-1929

https://de.wikipedia.org/wiki/Josephine_Baker#/media/Datei:Baker_Banana.jpg

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Am 14. Januar 1926 trat Josephine Baker das erste Mal in Berlin auf. Die Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin erregte durch ihre Outfits (hier im 'Bananenrock') sehr hohe Aufmerksamkeit.

Die Orientierung an US-Kultur und -Lebensweisen war in der Weimarer Republik weit verbreitet. 'Amerika' – das war für viele Menschen, die in den Städten lebten, wie eine Zukunftsverheißung. Viele moderne Menschen (zum Beispiel Angestellte in den Verwaltungen, junge Unternehmer und Akademiker) sahen sich und ihr Land als 'Juniorpartner' der USA. Tanzmusik und Hollywoodfilme, Boxkämpfe oder Motorisierung machten für viele Städter den 'American Way of Life' aus. Die USA wurden zum Vorbild vieler Menschen in der Nachkriegsgeneration. 

Berlin war im Mittelpunkt dieser Bewegung, weil viele Menschen nach dem Ersten Weltkrieg nach dem Motto lebten: 'Experimentieren erlaubt, wenn schon alles verloren ist.' 

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Quelle

Der Pädagoge und Geistliche Günther Dehn im Jahr 1929 über die 'proletarische Jugend' der Großstädte

Wollte man sie nach dem Sinn des Lebens fragen, so könnte sie nur antworten: 'Was es eigentlich soll, das wissen wir nicht, und es interessiert uns auch nicht, es zu erfahren. Da wir aber nun einmal leben, so wollen wir auch vom Leben so viel haben wie nur irgend möglich.' Verdienen und Vergnügen, das sind die beiden Angelpunkte des Daseins, wobei unter Vergnügen beides, das Edle und das Unedle, von primitiver Sexualität und Jazzmusik bis zu [...] rational durchgeführter Körperpflege, zu verstehen ist. [...] Dieses Volk ist wirklich amerikanisiert bis in die Wurzeln seines Denkens, bewusst und selbstverständlich oberflächenhaft. Immer wieder muss man, wenn man mit ihm in Berührung kommt, denken: Nicht etwa der Sozialismus, sondern der Amerikanismus wird das Ende aller Dinge sein. Wenn fast kaum noch ein Proletariermädchen die alte Haartracht trägt, sondern selbstverständlich den wahrlich metaphysikfreien Bubikopf, so sollte man anerkennen, dass dies ein sinnvoller Ausdruck der ganzen hier vorliegenden Lebenshaltung ist.

Zitiert nach: Detlev J. K. Peukert, Die Weimarer Republik. Moderne Deutsche Geschichte, Bd. 9, Frankfurt am Main 1987, S. 178 f.

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Aufgabe – Die Jugend

  1. Markiere die in der Quelle oben beschriebene Antwort der Jugend auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.
  2. Formuliere eine eigene Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und vergleiche deine mit der Antwort aus den zwanziger Jahren. Hinweis: Beim Vergleichen musst du Gemeinsamkeiten und Unterschiede notieren.
  3. Arbeite nur mit der Quelle: Überlege, was mit „primitiver Sexualität“ und „rational durchgeführter Körperpflege“ gemeint ist.
  4. Finde aus den Formulierungen in der Quelle die Meinung des Autors über die Jugend heraus.
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© ZDF

https://mundo.schule/details/BY-00251412

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Aufgabe – Gesellschaftlicher Fortschritt

  1. Sieh dir das Video oben von Minute 4:03 bis 17:03 an. Notiere dir alle Bereiche, in denen Verbesserungen und Fortschritt dargestellt werden, als Stichpunkte.
  2. Wähle einen dieser Bereiche aus und erkläre die Verbesserung dort:
    1. Wie kam es zu diesen Verbesserungen?
    2. Wie sahen die Verbesserungen aus?
  3. Beurteile den Fortschritt der 20er-Jahre in seiner Bedeutung für das alltägliche Leben der Menschen.

Sowjetunion: Neue Möglichkeiten für neue Menschen

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Monumentalskulptur Arbeiter und Kolchosbäuerin von Wera Ignatjewna Muchina († 1953) in Moskau (Detail).
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Urheber: Aldo_Ardetti

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Arbeiter_und_Kolchosbaeuerin_30-12-2012.jpg

Cc3BYSA

Die Statue 'Arbeiter und Kolchosbäuerin' in Moskau – soll so der neue sowjetische Mensch aussehen?

Die in der Sowjetunion herrschenden Kommunisten sahen sich als Bringer des Fortschritts. Unter ihrer Herrschaft sollte die Menschheit freier und glücklicher werden. Bisher haben wir hier aber vor allem Beispiele von Gewalt und Unterdrückung behandelt. War das alles, was die Sowjetunion in der Realität zu bieten hatte?

Nein. Die Sowjetunion verbesserte das alltägliche Leben vieler ihrer Bürger: Alphabetisierung, Gesundheitsversorgung, etwas materielle Sicherheit, Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, kulturelle Angebote. All das wurde in den Jahrzehnten nach der Gründung immer mehr Menschen (so sie überlebten) zugänglich. 

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Darstellung

Gesellschaftliche Errungenschaften der Sowjetunion: Ein Überblick

Hinweis: Die unten verlinkte Website (Russia Beyond) gehört zu einem Medienanbieter, der vom russischen Staat finanziert wird. Ziel dessen Arbeit ist es nicht nur, Informationen zu russischer Geschichte und Gegenwart zu präsentieren, sondern auch Werbung für den russischen Staat zu machen.

Über diesen Link findest du den Artikel „Was waren die gesellschaftlichen Errungenschaften der UdSSR?“

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Aufgabe - Gesellschaftlicher Fortschritt

  1. Gehe auf die im Darstellungskasten oben (Element 16) verlinkte Website. Wähle einen der fünf dargestellten Bereiche (Arbeitszeit, Frauenrechte, Gesundheit, Bildung, Wohnungsbau) aus und skizziere in eigenen Worten die dargestellte Entwicklung.
  2. Am Anfang des Onlineartikels steht die Behauptung: „Heutzutage wird oft verdrängt, dass die Sowjetunion auf einigen Gebieten ein Vorreiter war und die westliche Welt damals noch ein Stück hinterherhinkte.“ Überprüfe diese Aussage am Beispiel der Weimarer Republik. Nutze dafür Informationen aus dem Kapitel, diese Übersicht und selbstrecherchierte Informationen.

Jugend und Bildung in der Sowjetunion

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Die neue Gesellschaft der Sowjetunion sollte vor allem von zwei Gruppen geschaffen werden: den Arbeitern und den jungen Menschen. Das Werkzeug dafür war aus Sicht der kommunistischen Führung vor allem Bildung. Die Arbeiter sollten zu Ingenieuren und politischen Experten gemacht werden und der Jugend sollten so früh wie möglich die Werte des Kommunismus vermittelt werden. 

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English: “Delegates to the 1st congress of the Komsomol”. October 1918. A group of delegates to the 1st All-Russia congress of unions of working and country youth which formed a public and political group which later was called the All-Union Lenin Communist Union of the Youth, or the Komsomol. In September 1991 the union dissolved itself.
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Urheber: RIA Novosti archive, image #157794 / Shagin / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_157794_Delegates_to_the_1st_congress_of_the_Komsomol.jpg?uselang=de

Cc3NCSA

Der Komsomol wurde noch von Lenin als kommunistische Jugendorganisation gegründet. In ihm sollten die Werte der neuen kommunistischen Gesellschaft an die Jugendlichen vermittelt werden. Das Foto zeigt den ersten Komsomol-Kongress 1918.

English: “Komsomol meeting”. Komsomol meeting at the Magnitka plant.
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Urheber: RIA Novosti archive, image #25358 / Shagin / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_25358_Komsomol_meeting.jpg

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Die Mitglieder, sogenannte Komsomolzen, waren verpflichtet, regelmäßig an Schulungen und Diskussionsveranstaltungen zu Theorie und Praxis des Sowjetkommunismus teilzunehmen. Das Foto stammt von 1932.

English: “Concreter”. A concreter from the Komsomol brigade.
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Urheber: RIA Novosti archive, image #26530 / Yuriy Ivanov / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_26530_Concreter.jpg

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Die andere Komsomolzenpflicht waren regelmäßige Arbeitseinsätze auf Großbaustellen in der ganzen Sowjetunion. Hier siehst du einen Bauarbeiter aus einer Komsomol-Brigade 1972.

Kliment Voroshilov at a meeting with young Communist League members”. USSR Commissar of Defense Kliment Voroshilov (fourth right) has a meeting with Young Communist League female members awarded an honorary title
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Urheber: RIA Novosti archive, image #24692 / Ivan Shagin / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_24692_Kliment_Voroshilov_at_a_meeting_with_young_Communist_League_members.jpg

Cc3BYSA

Neben vielen Bildungsmöglichkeiten bot eine Komsomolmitgliedschaft auch Kontakte und Aufstiegsmöglichkeiten in die kommunistische Partei. Hier siehst du Komsomol-Mitglieder bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Kliment Voroshilov 1935.

English: “Student construction team”. Komsomol student construction team.
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Urheber: RIA Novosti archive, image #28606 / Evgenyi Koktyish / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_28606_Student_construction_team.jpg

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Und neben der Politik und Arbeit war der Komsomol immer noch eine Jugendorganisation. Er bot viele Gelegenheiten, andere Jugendliche aus anderen Teilen des Landes zu treffen, gemeinsam an politischen Veranstaltungen teilzunehmen, ...

English: “Dancing during break between sessions of 19th Komsomol congress”. Dancing during a break between sessions of the 19th Komsomol congress.
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Urheber: RIA Novosti archive, image #535377 / Boris Kaufman / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_535377_Dancing_during_break_between_sessions_of_19th_Komsomol_congress.jpg

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... aber auch miteinander zu feiern. Die beiden letzten Fotos stammen aus dem Jahr 1982.

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Darstellung

Artek – ein Ferienlager für verdiente kommunistische Jugendliche

Das Ferienlager Artek auf der Halbinsel Krim (heute Ukraine) war in der Sowjetunion eine Legende. Hier an der warmen Küste des Schwarzen Meers durften Jugendliche, die sich für die sozialistische Sache besonders verdient gemacht hatten, Urlaub machen. Die Ferienlagerteilnehmer wurden überall in der Sowjetunion und später auch in verbündeten Staaten ausgesucht. Eine Einladung nach Artek war damit auch eine große Ehre. 

Ein sowjetischer Werbefilm über das Leben im Lager Artek (1940)
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Urheber: Zentrales Wochenschaustudio. Regie: Nikolay Solovyov

https://ru.wikipedia.org/wiki/Файл:У_тёплого_моря_(1940).ogv

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Lukas Epperlein

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Quelle

Stalin über die Notwendigkeit der Bildung

Rede Stalins auf der ersten Unionskonferenz der Funktionäre der sozialistischen Industrie, 4. Februar 1931:

[...] Wir selbst müssen zu Spezialisten, zu Meistern unseres Fachs werden, wir müssen uns dem technischen Wissen zuwenden – diesen Weg hat uns das praktische Leben gewiesen. [...]

Es ist dies natürlich keine leichte Aufgabe, aber sie ist durchaus zu bewältigen. Wissenschaftliche Kenntnisse, technische Erfahrungen, Wissen – all dies kann man erwerben. Heute hat man sie nicht, morgen wird man sie haben. Die Hauptsache ist hier das leidenschaftliche bolschewistische Verlangen nach der Meisterung der Technik, nach der Meisterung der Wissenschaft von der Produktion. Bei leidenschaftlichem Verlangen kann man alles erreichen, alles überwinden. [...]

J. W. Stalin, Werke, Band 13, Juli 1930 – Januar 1934. Die deutsche Ausgabe besorgt vom Marx-Engels-Lenin-Stalin-Institut beim ZK der SED, Dietz Verlag Berlin, 1955, S. 34 ff.

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Darstellung

Arbeiter sollen Ingenieure werden

Gleichzeitig [...] starteten die Bolschewiki ein Programm zur massenhaften Ausbildung von neuen Ingenieuren und führten an den Hochschulen Arbeiterquoten ein: 1928 sollten 65 Prozent, 1929 70 Prozent aller Studienanfänger aus der Arbeiterschaft stammen; Parteimitglieder wurden bevorzugt aufgenommen. [...]

Zu den Auserwählten sollten ausdrücklich auch Frauen gehören. Am 22. Februar 1929 führte das ZK eine Frauenquote von 20 Prozent für die Neuaufnahmen an den Technischen Hochschulen, von 25 Prozent an Hochschulen für Chemie und Textilindustrie, Technika und Arbeiterfakultäten sowie von 35 Prozent an Hochschulen in Textilregionen ein.

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Aufgabe – Bildung und Jugendarbeit

  1. Sammle die Tätigkeiten und Aktivitäten, die in der Jugendarbeit der Sowjetunion vorkamen (siehe Element 19 und 20).
  2. Vergleiche die sowjetische Jugendarbeit mit heutiger Jugendarbeit (Freizeitangebote, Sommerlager, Jugendorganisationen) und identifiziere Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
  3. Beurteile die Ziele der Bildungs- und Jugendarbeit der Sowjetunion.
  4. Beurteile die der Bildungs- und Jugendarbeit heute.

Literatur und Film

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Darstellung

Info zum Buch: „Wie der Stahl gehärtet wurde“ von Nikolai Ostrowski

Hinweis: Dieser Text stammt aus dem Wikipedia-Artikel zum Roman

Der junge Pawel Pawka Kortschagin lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Um zum Lebensunterhalt beizutragen, muss er in einem Bahnhofsrestaurant arbeiten und erlebt hier Ausnutzung und Demütigung. [...]

Pawel freundet sich mit dem Bolschewiken Shuchrai an, den er vor einer Verhaftung bewahrt. Dafür muss er selbst kurzzeitig ins Gefängnis. Nach der Oktoberrevolution und dem Ausbruch des Bürgerkrieges dient er in der Roten Armee [...] wird mehrfach verwundet und erkrankt an Typhus. Auf eigenen Wunsch wird er aus dem Dienst entlassen und arbeitet für die Eisenbahn. Auch hier zehrt er sich auf, als bei widrigen Wetterbedingungen und Sabotage neue Gleise verlegt werden müssen, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. [...]

Letztlich widmet sich Pawel zunehmend der politischen Arbeit und nimmt an Versammlungen und Diskussionen teil, wo es u. a. zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bolschewiki und Kritik an undisziplinierten Komsomol-Mitgliedern kommt. [...] Schließlich erleidet Pawel infolge eines im Bürgerkrieg erlittenen Steckschusses eine Lähmung, wird bettlägerig und erblindet überdies. [...] Mit Hilfe einer Schablone beginnt er, unter dem Titel 'Die im Sturm Geborenen' einen Roman [...] zu schreiben. Als das Originalmanuskript der ersten drei Kapitel auf dem Postweg verloren geht, ist er zutiefst enttäuscht, unternimmt dank der Unterstützung von Freunden jedoch einen zweiten Versuch. Das Leningrader Gebietskomitee nimmt Pawels Entwurf begeistert auf und leitet die Veröffentlichung des Buches ein.

Der deutsche Verlag Neues Leben bewarb das Buch in der Ausgabe von 1950 so:

Der Autor erzählt mit großer Wahrhaftigkeit die Geschichte einer jungen Generation, die im Sturm geschichtlicher Ereignisse erzogen und gestählt wurde. [...] Der Kampf zwischen Gutem und Bösem, Reinem und Schmutzigem, Hohem und Niedrigem, Schönem und Hässlichem, Menschlichem und Barbarischem, der im Menschen selbst tobt, aber den die Menschen auch untereinander ausfechten, findet bei diesem Dichter lebenswahren Ausdruck.

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Quelle

Aus Nikolai Ostrowsky „Wie der Stahl gehärtet wurde“

Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nützen, dass ihn später sinnlos vertane Jahre nicht qualvoll gereuen, die Schande einer unwürdigen, nichtigen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und dass er sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten auf der Welt – dem Kampf für die Befreiung der Menschheit – geweiht. Und er muss sich beeilen zu leben. Denn eine dumme Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben jäh ein Ende setzen.

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Darstellung

Info zum Buch „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin

Der Klappentext 'Über dieses Buch' aus der 12. Auflage von 1972

Die Geschichte des Transportarbeiters Franz Biberkopf, der, aus der Strafanstalt Berlin-Tegel entlassen, als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden möchte, ist der erste deutsche Großstadtroman von literarischem Rang. Das Berlin der Zwanzigerjahre ist der Schauplatz des Geschehens. Aber gleichzeitig wird die Großstadt selbst zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Franz Biberkopf, der dieser verlockenden aber auch unerbittlichen Welt zu trotzen versucht. Er gerät in Abhängigkeit von einem Verbrecher, der ihm seine Geliebte tötet. Unter Mordverdacht festgenommen, bricht Franz Biberkopf im Gefängnis zusammen und wird in die Irrenanstalt gebracht. Er entgeht der Anklage und nimmt – äußerlich und innerlich ramponiert – eine Stelle als Hilfsportier an.

Mit „Berlin Alexanderplatz“ vollzog Döblin die radikale Abkehr vom bürgerlichen psychologischen Roman. Hier wurde kein Einzelschicksal analysiert. Das kollektive Geschehen, das Allgemeine einer menschlichen Situation erfuhr hier eine gültige Dichterische Gestaltung. Der Roman zählt heute [...] zu den wenigen großen Epen unserer Epoche.

Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, München (dtv) 1972

27

Quelle

Aus Alfreds Döblin „Berlin Alexanderplatz“

„Wach sein, wach sein, es geht was vor in der Welt. Die Welt ist nicht aus Zucker gemacht. [...] 

Wach sein, wach sein, man ist nicht allein. Die Luft kann hageln und regnen, dagegen kann man sich nicht wehren, aber gegen vieles andere kann man sich wehren. Da werde ich nicht schrein wie früher: das Schicksal, das Schicksal. Das muss man nicht als Schicksal verehren, man muss es ansehen, anfassen, zerstören.

Wach sei, Augen auf, aufgepasst, tausend gehören zusammen, wer nicht aufwacht, wird ausgelacht oder zur Strecke gebracht.

Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, München 1972, S. 410

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Aufgabe – Buchvergleich

  1. Lies den Inhalt der beiden Darstellungskästen (Element 24 und 26) oben. Nutze diese Informationen, um den Weg des Romanhelden Pawel Pawka Kortschagin mit dem des Romanhelden Franz Biberkopf zu vergleichen. Finde Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
  2. Vergleiche nun die Sprache in den beiden Textproben in den Quellenkästen (Element 25 und 27).
  3. „Die beiden Romane spiegeln in Inhalt und Stil die Gesellschaften, in denen sie entstanden sind.“ Stimmst du der Behauptung zu? Wenn ja: Woran erkannt man das? Wenn nein: Warum nicht?

Zum Vertiefen, für Interessierte: Zwei vollständige Filmklassiker aus der Weimarer Republik und der Sowjetunion

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Weimar: Nosferatu

Der Stummfilm Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens wurde 1922 vom Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau gedreht. Er gilt als einer der ersten Vampirfilme und beruht auf Ideen des Dracula-Romans vom Bram Stoker.

Nosferatu (1922) [16mm] (2K)
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Sowjetunion: Alexander Newski

Der Historienfilm Alexander Newski wurde vom Regisseur Sergei Eisenstein im Jahr 1938 gedreht. Er handelt von der Geschichte des russischen Nationalhelden Alexander Newski, der im 13. Jahrhundert das Vordringen des Deutschen Ritterorden gegen das russische Nowgorod gestoppt hatte. In der Schlacht auf dem Peipussee besiegten die Nowgoroder unter Newskis Führung die Deutschen und retteten so Russland vor der Eroberung. Den Soundtrack zum Film komponierte der berühmte russische Komponist Sergei Prokofjew.